2014 ist das internationale Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe. Dies klinge irgendwie romantisch und weltfremd, wisse man doch, dass die Agrar- und Lebensmittelindustrie unsere Gewohnheiten und Geldbeutel fest im Griff haben, betont Thierry Origer, Präsident von Slow Food Luxembourg asbl.

Thierry Origer

Thierry Origer, Präsident von Slow Food Luxembourg asbl

„Dass die Generalversammlung der Vereinten Nationen dieses Jahr ausgerufen hat, ist ein Indiz für die Dramatik, in der sich die Landwirtschaft heute befindet. In der Tat geht es ums Überleben eines nachhaltigen Agrarsystems, das, entgegen den falschen Versprechen der Agrar- und Lebensmittelindustrie mit allem möglichen genetischen Firlefanz den Hunger in der Welt zu stillen, tatsächlich DAS Agrarmodell ist für Ernährungssicherheit und nachhaltige Lebensmittelproduktion, und dies in besonderem Maße in den Entwicklungsländern.

Immer mehr Agrarflächen werden aufgekauft und für andere Zwecke missbraucht, immer mehr Jugendliche kehren dem Bauernberuf den Rücken (in Deutschland sind nur noch sechs Prozent der Landwirte unter 35 Jahren), immer mehr Bauern geraten durch die Abhängigkeit von Land und Saatgut in hoffnungslose Situation (200.000 Kleinbauern haben sich nach Schätzungen ind den letzten zehn Jahren in Indien das leben genommen). Es ist von existenzieller Bedeutung, sich für den erhalt der Agrarflächen und der kleinen und mittleren bäuerlichen Familienbetriebe einzusetzen, wenn wir in Zukunft unsere Ernährungssouveränität bewahren wollen.

Die internationale Slow Food Bewegung setzt sich seit über 25 Jahren (in Luxemburg seit 15 Jahren) in nunmehr über 150 Ländern mit mehr als 100.000 Mitgliedern für diese Ziele ein: Es geht darum, kleine und mittlere, lokale und regionale umweltschonende Agrar- und Lebensmittelbetriebe zu fördern und zu unterstützen. Die Vernetzung aller beteiligten Akteure im Lebensmittelprozess (Produzenten, Verarbeiter, Konsumenten) voranzutreiben. Es ist unumgänglich, eine neue Beziehung zwischen der Agrarwelt und dem städtischen Raum aufzubauen, den jungen Landwirten wieder eine Zukunftsperspektive zu geben und dem Beruf des Landwirtes wieder die Würde zu verleihen, die ihm gebührt. Denn was gibt es Wichtigeres, als gute Lebensmittel zu produzieren!

„Lebensmittel kaufen und essen sind hochgradig politische Handlungen“

Natürlich ist es ein Kampf David gegen Goliath, aber wir alle haben eine Verantwortung und wir haben auch Macht. Lebensmittel kaufen und essen sind auch hochgradig politische Handlungen. Kaufen wir bei lokalen und regionalen Produzenten, die die Umwelt und die am Herstellungsprozess beteiligten Menschen respektieren, Produzenten, die auch hier in Luxemburg oft noch Familienbetriebe sind! Seien wir uns unserer Verantwortung und Macht endlch bewusst!“